Fortbildung: gestern - heute - morgen
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11-2007 | Quelle: Dr. Klaus Petersen, MSc ImplantologieDie Aktualisierung des Fachwissens des Zahnarztes gehört zu den Verpflichtungen und ist eine Grundvoraussetzung für die Ausübung des Berufes am Patienten.

War bis vor wenigen Jahren die Fortbildung des Mediziners eine reine Privatsache, so ist sie heute per Gesetz (SGB V, §§ 95 d und 135
und folgende) als eine Qualitätssicherungsmaßnahme definiert und geregelt.
Sicherlich kann die Notwendigkeit der Zwangsfortbildung angezweifelt werden, da gerade der Zahnmediziner nachweislich schon immer
weit überdurchschnittliche Fortbildungsaktivitäten unternahm, um die Innovationen in der Behandlung seiner Patienten in der Praxis
umzusetzen.
Heute muss jeder Zahnarzt eine festgelegte Punktzahl an Fortbildungspunkten innerhalb eines Fünfjahreszeitraums nachweisen, um als
Kassenzahnarzt tätig zu sein. Die Punkte selbst werden ebenfalls nach definierten Kriterien von der Bundeszahnärztekammer für
Fortbildungsveranstaltungen zuerkannt.
Den standespolitischen Körperschaften wurde die Aufgabe übertragen, die berufliche Fortbildung zu fördern und zu betreiben und dazu
beizutragen, dass die für die Berufsausübung erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten der Kammerangehörigen für
das gesamte Berufsleben dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Praxis entsprechen, die Weiterbildung nach Maßgabe des
Gesetzes zu regeln, sowie fachliche Qualifikationen zu bescheinigen.
Verständlicherweise regt sich in Kollegenkreisen auch Widerstand gegen die Gängelung durch die Politik und Industrie und vor allem
gegen eine unseriöse Wissensvermittlung, wobei dem Mediziner die Fähigkeit einer objektiven Meinungsbildung nicht abgesprochen
werden kann.
Eine Kritik der Fortbildung an sich ist nicht nachvollziehbar und ein Anachronismus aus der Kurierfreiheit, die nach der
Gewerbeordnung von 1869 geregelt war. Das Deutsche Zahnheilkundegesetz von 1952 darf auch heute noch als wegweisend für die
Weiterentwicklung unseres Faches angesehen werden, an dem sich die Zukunftsvorgaben auch innerhalb Europas orientieren.
Bereits vor rund 20 Jahren wurden Bestrebungen von Fachgesellschaften deutlich, auf bestimmten Teilgebieten der Zahnmedizin eine
Spezialisierung und gezielte Fortbildung und ggf. Weiterbildung zu etablieren.
Auf der zwischenzeitlich historisch gewordenen Konferenz von Bologna (auch "Bologna-Prozess" genannt) haben im Juni 1999 für das
Hochschulwesen zuständige Minister aus 29 europäischen Staaten beschlossen, bis zum Jahr 2010 eine europaweit verbindliche
Regelung zu etablieren, aus der sich die Qualifikation und Qualität einer akademischen Berufsaus- und -Weiterbildung regeln lässt.
Die damals vereinbarten Eckpunkte sind:
Einführung vergleichbarer Abschlüsse
Einführung von Studiensystemen mit zwei Hauptzyklen (Bachelor und Master)
Einführung eines Leistungspunktesystems (ECTS = European Credit Transfer System ca. 25 - 30 Fortbildungsstunden)
Modularisierung des Studienangebots um den Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten bei verschiedenen Fort- und
Weiterbildungsanbietern zu erwerben und Ausbau lebenslanger Fortbildung
Der akademische Titel "Master of Science" (MSc) setzt somit ein Universitätsstudium voraus, für das es gesetzliche Regelungen und
europäische Normen gibt. Mit den ECTS - Regularien wollte man erreichen, dass es innerhalb von Europa vergleichbare Ergebnisse
gibt. Universitätsstudiengänge zum Master of Science (MSc) werden mit 120 ECTS bewertet - Masterstudiengänge z. B. einer
Fachgesellschaft dagegen mit 60 ECTS.
Ich habe in der Zeit von 2002 bis 2005 den Studiengang Master of Science Implantologie an der Universität Krems mit der Verleihung
des Titels absolviert. Ich habe viele neue Erkenntnisse in der Implantologie, die sehr viele Facetten hat, gewonnen.
Wissenschaftliche Studien wurden uns erläutert, die mir weiter halfen. Vieles habe ich gleich in der Praxis umsetzen können.
So wurde z. B. über niedrige Drehzahlen bei der Präparation des Implantatstollens gesprochen. Ich benutze heute reduzierte
Winkelstücke mit einer Drehzahl von 30 U / min. Man kann davon ausgehen, dass bei diesem Vorgehen es nie zu einer Überhitzung
im Knochen kommen kann. Es gibt noch viele Dinge, die ich heute in den Praxisalltag einbezogen habe. Ich habe die Studienzeit
sehr genossen. Neben dem Gedankenaustausch mit Kollegen, die zu Freunden geworden sind, hat mir diese Zeit in Krems trotz
dreizehn Jahre Erfahrung in der Implantologie unglaublich viel gegeben.
Die Implantologie ist aus meiner Praxis nicht mehr weg zu denken. Tagtäglich werde ich mit diesem Zweig der Zahnmedizin konfrontiert
- viele Patientenfälle sind ohne die Implantologie nur höchst unbefriedigend zu lösen. So ist bekanntlich ein verlorener Zahn 12
implantologisch wesentlich besser zu ersetzen als mit einer Brücke, die das Beschleifen natürlicher Zähne verursacht. Auch zu der
implantologischen Versorgung atrophierter zahnloser Unterkiefer gibt es keine Alternative. Allgemeinzahnärzte behaupten häufig,
dass eine Brückenversorgung im Vergleich implantologischen Arbeiten eine bessere Langzeitprognose hätte. Diese Behauptung ist
unrichtig, denn warum sollten beschliffene Zähne eine bessere Prognose haben als naturgesunde?
Setzte ich vor dem Studium ca. 150 Implantate, so sind es heute zwischen 400 und 500 Implantate, die in unserem praxiseigenen
Meisterlabor prothetisch versorgt werden. Eine gute Ausbildung gibt einem innere Ruhe und Gelassenheit, die man in schwierigen
Situationen braucht. Eine durchdachte Vorplanung kann einem viel ersparen. Die Implantologie besteht nicht nur aus "einem Loch in den
Knochen bohren". Wer so reduziert denkt, bekommt auf Dauer Probleme und sollte einen engen Kontakt zu einem Anwalt pflegen.
Wenn jemand die bereits in der Kollegenschaft angenommenen Fortbildungsangebote für unrealistisch hält, der steckt wie der
Vogel Strauß den Kopf in den Sand oder es wird ihm so ergehen, wie den Dinosauriern, die in der Evolutionsgeschichte keine
Überlebenschance hatten. Jammern und lamentieren hilft hier nicht weiter, sondern eine aktive und positive Weiterentwicklung
unseres Faches durch Kompetenzsicherung heißt das Rezept für die Zukunft.